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„Krankenschwestern“ in Australien

Die Zeit vergeht wie im Flug und ich bin jetzt schon vier Monate von Zuhause weg. Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor! Manchmal würde ich gerne mal zwei, drei Tage nach Hause, alle wiedersehen und dann wieder zurück.Ab und zu habe ich mal leichte Attacken von Heimweh, aber insgesamt geht es eigentlich. Vor Weihnachten war es schlimmer und im Moment bin gut abgelenkt.

Über meinen/unseren Geburtstag war Corinna dann für ein paar Tage hier in Sydney und wir haben gemeinsam gefeiert. Waren zusammen mit einer anderen Freundin aus Rainbow Beach im Höfbräuhaus in Sydney. War ne ziemlich interessante Sache! War ne kleine Band dort, die deutsche und bayrische Schlagermusik gespielt hat 🙂 Und die Australier sind voll drauf abgefahren! An unserem Tisch saßen Australier und denen haben wir den „Cowboy und Indianer“ Tanz begebracht. Das fanden die super lustig 🙂

Aufs Geld haben wir nicht geachtet und super leckeres, deutsches Essen bekommen. Inna und ich haben dann auch ein kleines Geburtstagsständchen bekommen. Ist schon witzig, dass wir beide am gleichen Tag Geburtstag haben und die Leute wollen uns das manchmal nicht so recht glauben. Abends sind wir dann aber nicht mehr weggegangen, weil wir alle müde waren. Corinna und Rieke haben Extremshopping betrieben 🙂 Halb Sydney leergekauft *lol* So ist das, wenn man nicht aus Rainbow Beach rauskommt. Weggehen haben wir dann aber den nächsten Tag nachgeholt und das war das erste Mal seit Rainbow Beach. Muss halt Geld sparen…

Mit meinem Job läuft es jetzt ziemlich gut und das erste Gehalt habe ich auch bekommen. Leider habe ich bis jetzt nur Jobs von 24/7 bekommen. Weiß gar nicht, warum mich die andere Agentur eingestellt hat. Die haben mir noch nicht einen Job besorgt. Dafür hat sich vorgestern die dritte Agnetur gemeldet (nach fast vier Wochen) und mir Schichten angeboten! Ich soll mich melden wenn ich welche möchte. Also im Grunde 100% Erfolg 🙂 Ich werde mir das diese Woche noch mal angucken und sonst kündige ich halt der ersten Agency. Gut, noch etwas in der Hinterhand zu haben. 24/7 beschäftigt mich im Moment aber sehr gut.

War jetzt ein paar Mal im Krankenhaus, worüber ich total glücklich bin, und einmal im Altenheim, was ich absolut deprimierend fand! Ich dachte ja immer schon, daß ich nicht unbedingt im Altenheim arbeiten möchte, aber jetzt weiß ich es definitiv! Eher wechsele ich den Job. Muß mir schon ganz dreckig gehen, dass ich da anfangen würde.

Die Leute in dem Altenheim waren gut gepflegt, aber kannst dich mit keinem unterhalten, weil fast alle dement und vollpflegebedürftig sind. Keine Musik, keine Unterhaltung, kein Leben in den Leuten. Habe einen Frühdienst mit Leute waschen/duschen und einen Nachtdienst am selben Tag mit Windel wechseln verbracht. In der Nacht hatte ich meine eigenen Patienten. im Grunde keine große Herausforderung, wenn ich nicht eine sauschlechte Übergabe bekommen hätte. (Man muss wissen, dass hier ziemlich viele „Ausländer/Asiaten“ arbeiten, die nicht alle so gutes Englisch sprechen) Habe gedacht, ich hätte klare Fragen gestellt, aber wusste hinterher auch nicht viel mehr über die Leute… *kopfschüttel* unsere Ausbildung in Deutschland ist echt nicht die schlechteste.

Das schlimmste war, und darüber war ich ziemlich sauer, dass zwei Patienten anscheinend infektiös waren, und mir das keiner gesagt hat. Stolper mitten in der Nacht über knallgelbe Mülltonnen (mit Zeichen) im Bad, frage die Kollegin (auch AIN) und die meint nur MRSA oder so. Genau weiß sie es nicht. Ein Glück musste ich bis jetzt noch nicht wieder hin…

Dagegen ist die Privatklinik, in der ich bis jetzt am meisten war, echt super. Habe dort ein paar Mal 12std Sitzwache gemacht und vor zwei Tagen das erste Mal richtig mitgearbeitet. Hatte nen Frühdienst und mittags hat die Agency angerufen, ob ich ne Doppelschicht machen will und war also den Nachmittag auch noch da. In Deutschland würde ich freiwillig keine Doppelschichten machen (7-22h ist echt lange) aber ich brauche das Geld und habe für diese Woche schon fast 30std zusammen. Ich weiß ja nie, wie viele Schichten ich noch bekomme. Also nehme ich das, was ich kriegen kann.

Von der Pflege her ist es nicht der bedeutende Unterschied. Gut, ist alles in Englisch und die Medikamente heißen hier anders. Was ich bis jetzt so gesehen habe, scheinen die Schwesten (RN´s) hier das gleiche zu machen wie ich in Deutschland auch. Mit dem Unterschied, daß sie hier viel mehr Assistenzpersonal haben. Ca. 6 Patienten pro RN, 1 AIN (gleich KPH, das bin ich hier ohne Registrierung) für 12 Patienten. Dann Leute, die Essen verteilen und zig Kafferunden drehen und sonstige Leute wie in Deutschland auch (Hol- und Bringedienst, Physio…)

Die RN muss sich nicht um die Klingeln und die Grundpflege kümmern. Nur die medizinischen Sachen und den Papierkrieg. Ich muss mich darum nicht kümmern und hab dafür viel Zeit, um Patienten zu duschen/waschen. Mein Englisch wird dadurch auch besser und ich habe schon ein paar wichtige Wörter gelernt. Witzigerweise habe ich schon einige Patienten getroffen, die vor Jahrzehnten aus Deutschland ausgewandert sind. Deutschkenntnisse sind nur hilfreich 🙂

Arbeit in diesem Krankenhaus macht echt Spaß. Bin aber vom Arbeiten ziemlich kaputt. So viele Stunden hintereinander bin ich nicht mehr gewöhnt. Aber muss Geld sparen um den ganzen März zu reisen. Dann bin ich wohl auch urlaubsreif!

In meinem Hostel bleibe ich jetzt auch bis Ende Februar. Jetzt suchen die hier Handwerker um gegen Unterkunft zu arbeiten (und von bedbugs habe ich auch schon wieder gehört, allerdings nicht bei mir). Kein Wunder, dass alles ewig braucht, um repariert zu werden. Als Handwerker kann man sich seinen Aufenthalt auch gut finanzieren. Für die findet sich hier immer ein Job. Wenn Christiane kommt, ziehe ich mit ihr aber in ein anderes Hostel. Nur noch drei Wochen! Freue mich schon total 🙂

Von Geldsorgen, Hostelleben und davon, wie schnell sich alles zum Guten wenden kann :-)

Mittlerweile ist die zweite Woche rum und die dritte angebrochen. Es ist schon seltsam, wie schnell sich hier Sachen ändern und manchmal wie von selbst ergeben. Von einem Tag auf den anderen schwanke ich zwischen Erleichterung und Ernüchterung.

Hatte im Grunde schon nach vier Tagen nen Job bzw. ne Agentur gefunden und war happy. Dann ging der ganze Papierkram los und die Zeit verging ohne Geld zu verdienen. Zwei Wochen lang… Dann ruft mich eine zweite Agentur an. Die hatten zuerst gesagt, dass sie im Moment keinen brauchen. Aber sie haben ein Glück meinen Lebenslauf behalten! Hatte mit denen nicht mehr gerechnet.

War grade auf dem Weg zu meinem Termin im Staff Health Departement um meinen Impfpass übertragen zu lassen, als die mich nach nem Interview gefragt haben. Und ich sollte gleich alle Unterlagen mitbringen 🙂 Also wollten die mich haben und ich war happy! Zumindest hatte ich für die zweite Agentur dann gleich alle Unterlagen zusammen. Für die erste musste ich auch ein Führungszeugnis beantragen. Auch ein Grund, warum sich alles hingezogen hat. Am gleichen Tag hab ich dann den Impfpass und das Führungszeugnis bekommen und konnte es zum Interview mitbringen.
In der zweiten Agentur waren die auch super nett und ich hatte erstmal Papierkram auszufüllen. Mittlerweile kenne ich ja schon ein paar Formulare. Wobei die nicht so viel Kram, wie die erste Agency haben wollten. Das beste allerdings ist, dass die mich nicht nur für Homecare suchen, sondern auch fürs Krankenhaus 🙂

Interview war dann sehr entspannt, habe ne Uniform bekommen und gleich das erste Jobangebot für den nächsten Tag! Homecare bei einem demenzkranken, 97j alten Deutschen, der (wenn er verwirrt ist) anfängt in Deutsch zu reden. Großer Vorteil für mich! Außerdem hatte eine andere Deutsche grade aufgehört, für die Agency zu arbeiten.
War also eine Stelle frei geworden 🙂 Manchmal muss man einfach Glück haben und diese Agentur war schon von der Internetpräsenz mein Favorit gewesen. Hatte aber gedacht, die melden sich nicht mehr. Dafür hat sich eine andere Agentur noch nicht gemeldet, bei denen ich anfangs guter Hoffnung war. Wie auch immer… Jetzt habe ich ja zwei 🙂

Erster Job/Schicht also bei einem furchtbar reichen, alten Herren. Der kann es sich leisten, Tag und Nacht zwei Schwestern zu haben. Und ich werde hier ja besser bezahlt, als in Deutschland. Angesehen hat man ihm die Demenz gleich. Ist gangunsicher, deshalb zwei Leute fürs mobilisieren. Ansonsten war das, glaube ich, die einfachste, und entspannteste Schicht, die ich jemals hatte. Hab ihn gefüttert, mich mit ihm und der Kollegin unterhalten und haben ihn mobilisiert. 6std kaum was gemacht und gut verdient! Und die Aussicht aus seinem Appartement im 9. Stock auf den Hafen war fantastisch! Könnte sein, dass ich dort öfter hin kann. Und bevor ich es vergesse: Es gab free food! Dürften alles aus dem Kühlschrank nehmen und hab dann umsonst gegessen! Und schon ist man ein glücklicher, kleiner Backpacker, wenn man was umsonst bekommt. Womit wir dann bei den Geldsorgen wären…

Marie aus Rainbow Beach ist grade für eine Woche hier und ich würde echt gerne mit ihr ausgehen, in Museen und Zoo, aber hatte das Gefühl, mein Konto ist bald leer. Am Tag nach meiner ersten Schicht war ich zwar froh, einen zweiten Job zu haben, wusste aber nicht, wie sich das alles weiterentwickelt. Australia Day habe ich mir ja frei genommen und hat mich auch keiner angerufen. Wußte aber nicht, wann ich das nächste Mal arbeiten kann. Die erste Agentur war vielversprechend, aber die haben sich bis jetzt noch nicht gemeldet. Obwohl ich ja jetzt endlich arbeiten kann.

Habe dann also einen Kontoauszug gezogen und war geschockt! 140$ habe ich noch! Bezahlt werde ich ja erst nächsten Freitag und noch kein neuer Job in Aussicht. Von dem Ersparten aus Rainbow so gut wie nichts über geblieben. Musste was fürs Führungszeugnis bezahlen (60$) und Arbeitsklamotten (60$). Dann drei Bahnkarten, weil man ja nicht weiß, wo man hingeschickt wird (je 43$) und drei Wochen Hostel (je 160$). Da kommt schon was zusammen. Und Essen ist noch nicht dabei. Versuche jetzt, mir nur noch das Wichtigste zu kaufen und nichts an Essen außerhalb. Allerdings kann ich nicht auf ein paar Vitamine verzichten, weil ich ja auch noch mit meiner Erkältung zu kämpfen hatte…

Geldprobleme = schlechte Stimmung/Sorgen. Christiane kommt bald und ich konnte noch nicht einen Cent beiseite legen. Lief nicht ganz so, wie ich mir das ausgedacht hatte. Einerseits gut, dass ich in Rainbow war und will die Zeit definitiv nicht missen. Andererseits hätte ich direkt nach Neujahr gehen sollen… Weiß ich auch nicht. Meine Hostel hat jetzt wohl doch wieder mit bed bugs zu kämpfen… Aber wo soll ich hin? Also wieder auf die Suche nach Work for Accommodation..

Stellte sich gestern aber als sinnfrei heraus. Hier ist grade Hochsaison und man muss wohl überall für 10$/h arbeiten. Bei nem Wochenpreis über 200$ kann ja jeder mal selbst rechnen. Kommt also nicht in Frage, wenn ich bei der Agentur 25-30$/h bekomme. Und obendrein flexibler bin ich auch, ohne das noch an den Hacken.

Das Hostel, in dem ich gewohnt habe, als ich in Sydney damals angekommen bin, hat aber nen akzeptablen Wochenpreis von 180$. Wenn in meinem Zimmer die Bettwanzen beissen, weiß ich, wo ich hin kann. Bis jetzt tun sie es noch nicht.

War gestern dann grade auf dem Weg zu verschiedenen Hostels, als ich ne SMS von 24/7 (zweite Agentur) bekam mit dem Angebot von 6h Homecare 🙂 Man, war ich erleichtert! Wenigstens eine Agentur meldet sich, wenn Alliance (erste Agentur) schon nicht in die Puschen kommt. Leider hat sich der Herr, der das für seine Mutter buchen wollte, nicht zurückgemeldet. War unterwegs und wusste nicht, ob ich es bis 15h schaffen kann… Schicht gecancelt. Also wieder etwas frustig, wenn auch wenigstens das Gefühl, es tut sich was.

Wollte mich gestern Abend eigentlich noch mit Marie treffen, aber dann hab ich das super Angebot bekommen, 12h Sitzwache bei einem paranoiden Herren im Krankenhaus zu machen! Sag ich ja nicht nein 🙂
Bin also gestern Abend von 20-8h heute morgen dort gewesen. Ist in der Privatstation gewesen und ist ne gemischte Station. Herzchirurgie soll auch dabei sein! Das Pipsen auf der Station kam mir auch von Anfang an bekannt vor. Die haben dort auch die Phillips Monitore und Telemetrien 🙂 Mein Patient hatte dann hauptsächlich nen Herzproblem neben seiner Paranoia (sind alle „brainwashed“) und ich fühle mich wie Zuhause!

Irritierend ist allerdings der Teppichboden und dass man keinen Kasack anhat, wie in Deutschland. Laufe hier mit blauer Agencybluse und schwarzer Hose herum. Sonst ist aber von der Pflege her nicht so der bedeutende Unterschied. Mache natürlich nichts Medizinisches, aber von der pflegerischen Seite keine so große Herausforderung.

Was allerdings eine ist, ist doch das Englisch. Bin jetzt froh, die drei Monate vorher so viel Englisch gesprochen zu haben. Mein Patient ist waschechter Australier und nuschelte obendrein noch etwas. Habe nicht immer alles verstanden, aber wir sind trotzdem super miteinander ausgekommen. Meine Psychiatrieerfahrung macht sich doch bezahlt.

Heute abend bin ich wieder 12h dort und habe diese Woche dann meine 30std! Morgen muss ich mir allerdings freinehmen. Mein Husten ist wieder ein wenig da und ist auch ne Parade in Chinatown.
Aber Geldsorgen haben sich erstmal erledigt, die Agentur war der Volltreffer und ich kann vielleicht doch was zur Seite legen 🙂