Mittlerweile ist die zweite Woche rum und die dritte angebrochen. Es ist schon seltsam, wie schnell sich hier Sachen ändern und manchmal wie von selbst ergeben. Von einem Tag auf den anderen schwanke ich zwischen Erleichterung und Ernüchterung.
Hatte im Grunde schon nach vier Tagen nen Job bzw. ne Agentur gefunden und war happy. Dann ging der ganze Papierkram los und die Zeit verging ohne Geld zu verdienen. Zwei Wochen lang… Dann ruft mich eine zweite Agentur an. Die hatten zuerst gesagt, dass sie im Moment keinen brauchen. Aber sie haben ein Glück meinen Lebenslauf behalten! Hatte mit denen nicht mehr gerechnet.
War grade auf dem Weg zu meinem Termin im Staff Health Departement um meinen Impfpass übertragen zu lassen, als die mich nach nem Interview gefragt haben. Und ich sollte gleich alle Unterlagen mitbringen 🙂 Also wollten die mich haben und ich war happy! Zumindest hatte ich für die zweite Agentur dann gleich alle Unterlagen zusammen. Für die erste musste ich auch ein Führungszeugnis beantragen. Auch ein Grund, warum sich alles hingezogen hat. Am gleichen Tag hab ich dann den Impfpass und das Führungszeugnis bekommen und konnte es zum Interview mitbringen.
In der zweiten Agentur waren die auch super nett und ich hatte erstmal Papierkram auszufüllen. Mittlerweile kenne ich ja schon ein paar Formulare. Wobei die nicht so viel Kram, wie die erste Agency haben wollten. Das beste allerdings ist, dass die mich nicht nur für Homecare suchen, sondern auch fürs Krankenhaus 🙂
Interview war dann sehr entspannt, habe ne Uniform bekommen und gleich das erste Jobangebot für den nächsten Tag! Homecare bei einem demenzkranken, 97j alten Deutschen, der (wenn er verwirrt ist) anfängt in Deutsch zu reden. Großer Vorteil für mich! Außerdem hatte eine andere Deutsche grade aufgehört, für die Agency zu arbeiten.
War also eine Stelle frei geworden 🙂 Manchmal muss man einfach Glück haben und diese Agentur war schon von der Internetpräsenz mein Favorit gewesen. Hatte aber gedacht, die melden sich nicht mehr. Dafür hat sich eine andere Agentur noch nicht gemeldet, bei denen ich anfangs guter Hoffnung war. Wie auch immer… Jetzt habe ich ja zwei 🙂
Erster Job/Schicht also bei einem furchtbar reichen, alten Herren. Der kann es sich leisten, Tag und Nacht zwei Schwestern zu haben. Und ich werde hier ja besser bezahlt, als in Deutschland. Angesehen hat man ihm die Demenz gleich. Ist gangunsicher, deshalb zwei Leute fürs mobilisieren. Ansonsten war das, glaube ich, die einfachste, und entspannteste Schicht, die ich jemals hatte. Hab ihn gefüttert, mich mit ihm und der Kollegin unterhalten und haben ihn mobilisiert. 6std kaum was gemacht und gut verdient! Und die Aussicht aus seinem Appartement im 9. Stock auf den Hafen war fantastisch! Könnte sein, dass ich dort öfter hin kann. Und bevor ich es vergesse: Es gab free food! Dürften alles aus dem Kühlschrank nehmen und hab dann umsonst gegessen! Und schon ist man ein glücklicher, kleiner Backpacker, wenn man was umsonst bekommt. Womit wir dann bei den Geldsorgen wären…
Marie aus Rainbow Beach ist grade für eine Woche hier und ich würde echt gerne mit ihr ausgehen, in Museen und Zoo, aber hatte das Gefühl, mein Konto ist bald leer. Am Tag nach meiner ersten Schicht war ich zwar froh, einen zweiten Job zu haben, wusste aber nicht, wie sich das alles weiterentwickelt. Australia Day habe ich mir ja frei genommen und hat mich auch keiner angerufen. Wußte aber nicht, wann ich das nächste Mal arbeiten kann. Die erste Agentur war vielversprechend, aber die haben sich bis jetzt noch nicht gemeldet. Obwohl ich ja jetzt endlich arbeiten kann.
Habe dann also einen Kontoauszug gezogen und war geschockt! 140$ habe ich noch! Bezahlt werde ich ja erst nächsten Freitag und noch kein neuer Job in Aussicht. Von dem Ersparten aus Rainbow so gut wie nichts über geblieben. Musste was fürs Führungszeugnis bezahlen (60$) und Arbeitsklamotten (60$). Dann drei Bahnkarten, weil man ja nicht weiß, wo man hingeschickt wird (je 43$) und drei Wochen Hostel (je 160$). Da kommt schon was zusammen. Und Essen ist noch nicht dabei. Versuche jetzt, mir nur noch das Wichtigste zu kaufen und nichts an Essen außerhalb. Allerdings kann ich nicht auf ein paar Vitamine verzichten, weil ich ja auch noch mit meiner Erkältung zu kämpfen hatte…
Geldprobleme = schlechte Stimmung/Sorgen. Christiane kommt bald und ich konnte noch nicht einen Cent beiseite legen. Lief nicht ganz so, wie ich mir das ausgedacht hatte. Einerseits gut, dass ich in Rainbow war und will die Zeit definitiv nicht missen. Andererseits hätte ich direkt nach Neujahr gehen sollen… Weiß ich auch nicht. Meine Hostel hat jetzt wohl doch wieder mit bed bugs zu kämpfen… Aber wo soll ich hin? Also wieder auf die Suche nach Work for Accommodation..
Stellte sich gestern aber als sinnfrei heraus. Hier ist grade Hochsaison und man muss wohl überall für 10$/h arbeiten. Bei nem Wochenpreis über 200$ kann ja jeder mal selbst rechnen. Kommt also nicht in Frage, wenn ich bei der Agentur 25-30$/h bekomme. Und obendrein flexibler bin ich auch, ohne das noch an den Hacken.
Das Hostel, in dem ich gewohnt habe, als ich in Sydney damals angekommen bin, hat aber nen akzeptablen Wochenpreis von 180$. Wenn in meinem Zimmer die Bettwanzen beissen, weiß ich, wo ich hin kann. Bis jetzt tun sie es noch nicht.
War gestern dann grade auf dem Weg zu verschiedenen Hostels, als ich ne SMS von 24/7 (zweite Agentur) bekam mit dem Angebot von 6h Homecare 🙂 Man, war ich erleichtert! Wenigstens eine Agentur meldet sich, wenn Alliance (erste Agentur) schon nicht in die Puschen kommt. Leider hat sich der Herr, der das für seine Mutter buchen wollte, nicht zurückgemeldet. War unterwegs und wusste nicht, ob ich es bis 15h schaffen kann… Schicht gecancelt. Also wieder etwas frustig, wenn auch wenigstens das Gefühl, es tut sich was.
Wollte mich gestern Abend eigentlich noch mit Marie treffen, aber dann hab ich das super Angebot bekommen, 12h Sitzwache bei einem paranoiden Herren im Krankenhaus zu machen! Sag ich ja nicht nein 🙂
Bin also gestern Abend von 20-8h heute morgen dort gewesen. Ist in der Privatstation gewesen und ist ne gemischte Station. Herzchirurgie soll auch dabei sein! Das Pipsen auf der Station kam mir auch von Anfang an bekannt vor. Die haben dort auch die Phillips Monitore und Telemetrien 🙂 Mein Patient hatte dann hauptsächlich nen Herzproblem neben seiner Paranoia (sind alle „brainwashed“) und ich fühle mich wie Zuhause!
Irritierend ist allerdings der Teppichboden und dass man keinen Kasack anhat, wie in Deutschland. Laufe hier mit blauer Agencybluse und schwarzer Hose herum. Sonst ist aber von der Pflege her nicht so der bedeutende Unterschied. Mache natürlich nichts Medizinisches, aber von der pflegerischen Seite keine so große Herausforderung.
Was allerdings eine ist, ist doch das Englisch. Bin jetzt froh, die drei Monate vorher so viel Englisch gesprochen zu haben. Mein Patient ist waschechter Australier und nuschelte obendrein noch etwas. Habe nicht immer alles verstanden, aber wir sind trotzdem super miteinander ausgekommen. Meine Psychiatrieerfahrung macht sich doch bezahlt.
Heute abend bin ich wieder 12h dort und habe diese Woche dann meine 30std! Morgen muss ich mir allerdings freinehmen. Mein Husten ist wieder ein wenig da und ist auch ne Parade in Chinatown.
Aber Geldsorgen haben sich erstmal erledigt, die Agentur war der Volltreffer und ich kann vielleicht doch was zur Seite legen 🙂
